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Die Demokratische Republik Kongo ist neben Südafrika das potenziell reichste Land Afrikas. Kongo beherbergt 30 Prozent der weltweiten Kobalt-Vorkommen und weitere Rohstoffe wie Kupfer, Gold, Diamanten, Uran und Erdöl, die dem Land Einnahmen in Milliardenhöhe einbringen könnten. Neben diesen bezifferbaren Reichtümern befindet sich dort außerdem der zweitgrößte Regenwald der Erde nach dem Amazonasgebiet. Gleichzeitig ist die DR Kongo eines der zehn ärmsten Länder der Welt. Jahrzehntelange Ausbeutung, Misswirtschaft und Bürgerkrieg haben tiefe Wunden hinterlassen. Auch jetzt, nach Ende des Krieges, sterben an jedem durchschnittlichen Tag 1.200 Kongolesen an Krankheit und Unterernährung. Das Überleben ist ein täglicher Kampf für die Menschen in diesem Land – ein Viertel der Bevölkerung hat nicht mehr als eine Mahlzeit pro Tag.
Der Krieg hat nicht nur die Institutionen, sondern auch die klassischen Rollenverteilungen innerhalb der Gemeinschaft und der Familien zerstört. Die Schäden des Krieges zu beseitigen, die Infrastruktur wiederaufzubauen und den Menschen im Land eine neue Perspektive zu geben, sind immense Herausforderungen. Dafür braucht die Regierung viel Geld – doch gerade das hat sie nicht. Der Haushalt des Landes beträgt gerade einmal 1,5 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Allein die Durchführung der Wahlen im Jahr 2006 kostete 500 Millionen US-Dollar. Aus eigener Kraft, ohne die finanzielle Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, kann sich die Regierung einen Neustart nicht leisten.
Umso stärker daher die Notwendigkeit für die kongolesische Regierung, ihre eigenen Ressourcen in Wert zu setzen. Ein solcher Rohstoffreichtum, wie er hier vorhanden ist, wäre bei einer verantwortungsvollen Förderung bei weitem ausreichend, um den gesamten Wiederaufbau des Landes zu finanzieren.
Allerdings gibt es berechtigten Zweifel, ob eine verantwortungsvolle Förderung überhaupt möglich ist. Korruption ist weit verbreitet - gerade im Zusammenhang mit der Förderung der natürlichen Rohstoffe. Zu hoch die Profite, zu süß die Versuchung, sich Erträge in die eigene Tasche zu wirtschaften. Zusätzlich verhindern auch ungerechte Verträge über die Nutzung der Rohstoffe eine nachhaltige Wertschöpfung. In den vergangenen drei Jahren hat die kongolesische Übergangsregierung beispielsweise 75 Prozent der Kupfer- und Kobalt-Reserven an ausländische Konzerne verschleudert. Einzelne Personen profitieren von den Konditionen – doch dem Staat bleibt wenig, bei der Bevölkerung kommt so gut wie nichts an.
Ein weiterer unermesslicher Reichtum des Kongo, der bisher noch nicht ausgebeutet wurde, ist der Regenwald. Ein Großteil des "grünen Herzens Afrikas" ist noch intakt und wurde aufgrund des Krieges weitgehend von der Zerstörung verschont. Für zwei Drittel der in der Demokratischen Republik Kongo lebenden Menschen ist er zugleich Lebensgrundlage und Lebensraum für viele indigene Völker; er versorgt sie mit Nahrung, Medizin, Energie und Baumaterial. Doch auch außerhalb des Kongo kommt den unberührten Urwäldern des Kongobeckens eine herausragende Bedeutung zu. Die in ihm vorhandene Biodiversität und sein Beitrag zur Stabilität des globalen Klimas sind von unschätzbarem Wert für unseren Planeten.
Der Regenwald darf daher nicht lediglich als wirtschaftliche Einkommensquelle gesehen werden. Leider deuten die Zeichen darauf hin, dass kurzfristige wirtschaftliche und finanzielle Vorteile für wichtiger erachtet werden. Auch internationale Firmen machen Druck auf die kongolesische Regierung: In den letzten Jahren wurden Einschlagslizenzen für 20 Millionen Hektar Wald vergeben.
Die Weltbank erkannte die Dringlichkeit und erließ ein Moratorium auf neue Konzessionen. Sämtliche schon vergebenen Lizenzen sollen bis Ende 2007 auf ihre Legalität hin überprüft werden. Doch auch das reicht nicht aus, wenn es keine Konsequenzen nach sich zieht und weiterhin illegal eingeschlagen wird. Wir brauchen dringend innovative Finanzierungsinstrumente, die den Erhalt der Wälder honorieren und Anreize für seinen Schutz darstellen können. Und hierfür ist es erforderlich, dass auch die Industrieländer diese Anreize finanzieren.
* Ute Koczy ist Mitglied des Deutschen Bundestages für Bündnis 90/Die Grünen. Sie vertritt ihre Fraktion im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Dieser Beitrag ist erschienen in der Zeitschrift Franziskaner-Mission 3/2007, S. 20.