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26. September 2007

Globalen Fonds gegen AIDS, Tuberkulose und Malaria stärken

Die heute in Berlin eröffnete Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds gegen AIDS, Tuberkulose und Malaria ist Anlass, die verstärkte Bekämpfung dieser drei Infektionskrankheiten einzufordern, die unermessliches menschliches Leid zur Folge haben und die Perspektive auf eine bessere soziale und wirtschaftliche Entwicklung schwer beeinträchtigen. Ohne die generelle Stärkung von Gesundheitssystemen wird jedoch auch der Kampf gegen diese "Geißeln der Menschheit" nur bedingt Erfolge erzielen.

AIDS, Tuberkulose und Malaria sind die weltweit schlimmsten Infektionskrankheiten. Jedes Jahr fordern sie 8 Millionen Opfer.

Während AIDS global betrachtet zunehmend zu einer weiblichen Krankheit wird, betrifft Malaria gerade Kinder und schwangere Frauen überproportional. Gleichzeitig schultern Frauen auch die Hauptlast der Folgen der Krankheiten, denn sie sind für die Pflege der Betroffenen oder Waisen verantwortlich.

AIDS, Tuberkulose und Malaria machen soziale und wirtschaftliche Entwicklungen ganzer Regionen, Staaten und Gemeinden, aber auch von Familien und Individuen zunichte. HIV/AIDS reißt große Lücken besonders in die Altersgruppen, die für die Erwirtschaftung des Einkommens sowie für die Erziehung der Kinder und die soziale Sicherung der Familien zuständig sind.

Gesundheitssysteme stärken

Die verstärkte Aufmerksamkeit für diese drei Infektionskrankheiten verstellt häufig den Blick darauf, dass Gesundheitssysteme in Entwicklungsländern eine allgemeine Stärkung brauchen.

Viele Krankheiten stehen in einem direkten Zusammenhang zu Armut und Umweltverschmutzungen. Ohne eine allgemeine Verbesserung der Gesundheitssysteme können daher auch die Millenniums-Entwicklungsziele niemals erreicht werden. In vielen afrikanischen Ländern ist die Lebenserwartung in den letzten Jahren wieder dramatisch gesunken. Viele Menschen in Entwicklungsländern sind besonders krankheitsanfällig, weil sie in Städten leben, in denen hohe Luftverschmutzung, mangelnder Zugang zu sauberem Wasser und schlechte hygienische Bedingungen Alltag sind. Auch auf dem Land ist gerade der mangelnde Zugang zu Trinkwasser eine häufige Ursache für Krankheiten wie Cholera oder Durchfallkrankheiten, die durch dreckiges Wasser verursacht werden.

Es kommt hinzu, dass beispielsweise in Afrika ein großer Mangel an Gesundheitspersonal – also an Ärzten und Krankenschwestern – herrscht. Industrieländer tragen einen Teil zu diesem Problem bei, denn gerade die USA, Großbritannien und Kanada werben offensiv Ärzte und Krankenschwestern aus Entwicklungsländern ab. Wir brauchen neben einer Selbstverpflichtung der G8-Staaten, auf gezielte Abwerbung zu verzichten, vor allem auch den Ausbau der Möglichkeiten für medizinisches Personal, zeitweise in ihren Heimatländern tätig werden zu können, ohne ihren Aufenthaltsstatus in Industrieländern zu gefährden.

Es gibt zu wenig pharmazeutische Forschung über Krankheiten, die Entwicklungsländer betreffen. Viele Menschen in Entwicklungsländern leiden und sterben an Krankheiten, die in Industrieländern gar nicht bekannt sind – wie die Chaguas-Krankheit, die Schlafkrankheit oder das Chikungunya-Fieber – und gegen die es keinerlei Medikamente oder Impfstoffe gibt. Denn Pharmaunternehmen forschen zumeist an solchen Medikamenten, die einen lukrativen Absatzmarkt bieten. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Schon entwickelte Medikamente, z.B. antiretrovirale Medikamente gegen AIDS, sind für viele Menschen in Entwicklungsländern schlicht nicht bezahlbar. HIV-Infizierte, egal wo, müssen Zugang zu AIDS-Medikamenten erhalten können.

Globaler Fonds gegen AIDS, Tuberkulose und Malaria

Der Globale Fonds gegen AIDS, Tuberkulose und Malaria leistet einen wichtigen Beitrag für den Kampf gegen die Infektionskrankheiten sowie zur Stärkung von Gesundheitssystemen in Entwicklungsländern.

Deutschland unterstützt den Globalen Fonds im Jahr 2007 mit 87 Millionen Euro. In diesem Jahr, dem Jahr der G8-Präsidentschaft und als Gastgeber für die Wiederauffüllungskonferenz des Globalen Fonds, war es an der Zeit, dass die Bundesregierung ihren Beitrag für den Globalen Fonds erhöht – dass sie sich nach massiver Kritik in den letzten Jahren dazu bereit gezeigt hat, markiert einen Fortschritt. Doch auch mit Beiträgen von angekündigten 4 Milliarden Euro, die Deutschland bis 2015 bi- und multilateral für den Kampf gegen Infektionskrankheiten einsetzen will, befindet sich Deutschland nur im Mittelfeld der Geber. Denn andere Industrieländer sind gewillt, deutlich höhere Leistungen zu erbringen. Frankreich beispielsweise hat schon 2007 einen deutlich höheren Beitrag zum Globalen Fonds beigesteuert als Deutschland das 2008 tun wird – nach der Verdopplung seines Beitrags. Zusätzlich mobilisiert Frankreich durch eine Flugticketsteuer weitere Mittel für die Stärkung des Gesundheitssektors in Entwicklungsländern. Die Bundesregierung kündigt besonders in Form der Entwicklungsministerin seit geraumer Zeit so genannte innovative Finanzierungsinstrumente an. "Geliefert" hat sie hingegen nicht. Eine Flugticketsteuer lässt weiter auf sich warten.

Wiederauffüllungskonferenz thematisiert wichtige Fragen

Es ist gut, dass auf der Wiederauffüllungskonferenz in Berlin Ende September 2007 die Feminisierung von HIV/AIDS zum Thema wird. In vielen Entwicklungsländern existieren patriarchalische Strukturen. Daher kommen zu der ohnehin schon mangelnden Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln die bedrückenden Folgen einer insgesamt niedrigeren gesellschaftlichen Stellung von Frauen. Für Frauen ist es häufig besonders schwierig, Entscheidungen über sexuelle Handlungen gegenüber ihrem Partner durchzusetzen und von ihm die Anwendung von Safer Sex-Praktiken einzufordern. Daher sprechen wir uns für so genannte frauenkontrollierte Methoden der HIV/AIDS-Prävention aus, wie Kondome für Frauen ("Femidome") und "Mikrobizide". Auch sexuelle Aufklärungsarbeit muss sich verstärkt an den Bedürfnissen von Frauen und Mädchen orientieren.

Ebenso bedeutet die von Deutschland ausgehende Initiative zur Schuldenumwandlung für den Gesundheitsbereich (Debt2Health-Initiative) einen wichtigen Fortschritt. Begonnen wird mit Abkommen zur Schuldenumwandlung für Indonesien, Pakistan, Peru und Kenia, wobei sich die Regierungend der Entwicklungsländer verpflichten, dem Globalen Fonds einen Teil der erlassenen Schulden für Programme im Gesundheitsbereich zukommen zu lassen. Diese Initiative sollte auf jeden Fall daraufhin geprüft werden, ob sie auf weitere Staaten übertragbar ist.

Auch der Zugang zu Medikamenten wird ein Thema der Wiederauffüllungskonferenz sein. Der universelle Zugang zu AIDS-Medikamenten – bereits 2005 versprochen – ist bei weitem noch nicht erreicht. Trotz einiger Fortschritte in den letzten Jahren erhielt 2006 bestenfalls eine von zehn Afrikanerinnen bzw. Afrikanern und eine von sieben Asiatinnen bzw. Asiaten die dringend benötigte antiretrovirale Therapie. Sowohl die Regierungen von Industrie- und Entwicklungsländern als auch die Pharmaunternehmen sind gefragt, hier weitergehende Anstrengungen zu unternehmen, um allen Menschen Zugang zu erschwinglichen Medikamenten zu ermöglichen.