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24. März 2009

Tuberkulose weltweit auf dem Vormarsch

Weltweit sterben mehr Menschen an Tuberkulose als an jeder anderen behandelbaren Infektionskrankheit. Die WHO geht aktuell von 9,2 Millionen neuen Tuberkuloseerkrankungen und 1,7 Millionen Todesfällen jährlich aus. Dabei ist Tuberkulose nur eine von vielen "vernachlässigten Krankheiten", denen jährlich Millionen von Menschen zum Opfer fallen.

Kaum neue Medikamente

Trotz dieser erschreckenden Zahlen werden kaum neue Medikamente gegen diese Krankheiten entwickelt. Grund: der größte Teil der potenziellen Käuferinnen und Käufer lebt in armen Ländern und die Medikamentenentwicklung verspricht daher nicht genug Gewinne für die großen Pharmaunternehmen. Dies könnte sich bald ändern. Nicht etwa, weil die Armen plötzlich mehr Geld hätten oder die Bekämpfung von Armutskrankheiten endlich als globale Aufgabe ernst genommen werden würden. Der Grund wäre purer Eigennutz, denn die Tuberkulose kommt zu uns zurück. Die Zahl der Neuerkrankungen in Europa ist alarmierend. Mit 445.000 Fällen und 66.000 Toten war bereits 2005 der höchste Stand seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht. Die Zahl der Tuberkulose-Erreger, die sich erfolgreich gegen eine Behandlung zur Wehr setzen, nimmt dabei dramatisch zu. Viele Erreger sind sogar multiresistent, das heißt, ihnen kann eine ganze Zahl von Antibiotika nichts mehr anhaben. Jetzt rächt sich die jahrelange Ignoranz gegenüber dieser "Krankheit der Armen", denn unsachgemäße Behandlungen mit schlechten Medikamenten in den Entwicklungsländern führten überhaupt erst  dazu, dass es multiresistente Erreger gibt.

Mehr Geld für Forschung und Entwicklung!

Wir brauchen jetzt mehr Geld für Forschung und Entwicklung. Dabei ist eines klar: Das von Profit getriebene Modell der Medikamentenentwicklung eignet sich nicht für die Entwicklung notwendiger medizinischer Mittel gegen vernachlässigte Krankheiten. Den größten Erfolg verspricht daher die Stärkung der öffentlichen Forschung. Als Land mit der drittstärksten Wirtschaftskraft der Welt und mit großen Forschungskapazitäten ist gerade Deutschland gefordert seine öffentliche Forschungsförderung für Tuberkulose, Malaria und vernachlässigte Tropenkrankheiten massiv zu erhöhen. Jedoch stehen auch Pharmaunternehmen in der Mitverantwortung. Denn sie greifen auf Grundlagenforschung zurück, die fast immer auch durch öffentliche Mittel finanziert ist. Einen Lösungsansatz bietet die Drugs for Neglected Diseases Initiative, eine Produktentwicklungspartnerschaft, die von Anfang an sicherstellt, dass öffentliche Mittel, die in die Forschung zum Beispiel an Medikamenten gegen Tuberkulose investiert werden, auch definitiv dazu dienen, einen breiten öffentlichen Zugang zu eben diesen Medikamenten zu ermöglichen.

Ohne konkrete neue Schritte werden in den Entwicklungsländern weiter vernachlässigte Krankheiten um sich greifen – mit Konsequenzen für die ganze Welt.

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