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Die Uran-Versorgung ist das Rückgrat der Atomindustrie. Ohne den radioaktiven Stoff ist die Atomnutzung nicht möglich. Nachdem die Uran-Preise Jahre lang im Sinkflug waren, sind sie seit 2005 von 35 auf zeitweise bis zu 138 US-Dollar pro Pfund gestiegen.
Damit wurden Uranminen wirtschaftlich wieder interessant. Neue Projekte werden zurzeit in Skandinavien, die Wiedereröffnung stillgelegter Minen in Tschechien geplant. Eine Ausweitung des Abbaus findet aber vor allem in Namibia, Malawi, Niger und anderen afrikanischen Staaten statt. Denn da es dort meist keine Umweltgesetzgebung oder Kontrollen geschweige denn Gesetze zum Strahlenschutz gibt, können Unternehmen ohne Rücksicht auf Umwelt und Sicherheit der Menschen Uran abbauen und radioaktive Abfälle an der Oberfläche lagern – was natürlich für die Unternehmen die Kosten stark senkt.
Was dies für die Menschen und die Umwelt in den betroffenen Uranabbaugebieten bedeutet, wurde im Gespräch mit Betroffenen aus den USA, Namibia, Tansania und Niger deutlich. So berichtete Almoustapha Alhacen aus dem Abbaugebiet um Arlit in Niger von 45 Millionen Tonnen radioaktiver Uranabfälle, die unter freiem Himmel lagern. Bertchen Kohrs, Aktivistin von Earthlife Namibia und Hilma Mote stellten erschreckende Ergebnisse einer Gesundheitsstudie über Bergarbeiter und die örtliche Bevölkerung der seit 40 Jahren betriebenen Rössing-Mine in Namibia vor. Viele Arbeiter starben an Krebs, und auch ihre Familien wurden krank. In der Region verseuchen radioaktive Abwässer das Grundwasser.
Anthony Lyamunda berichtete über die bevorstehende Eröffnung einer neuen Uranmine in seinem Heimatort Bahi in Tansania. Seine Organisation FEMAPO klärt die Menschen vor Ort über die Risiken des Uranabbaus auf. Regierung und Investoren haben dies nicht für nötig befunden. Besonders beklagte Anthony Lyamunda, dass die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) einen "Investor's Guide" herausgebracht hat, mit dem die Bodenschätze in seiner Heimat zur Ausbeutung angepriesen werden. Rex und Carletta Tilousi vom Stamm der Havasupai, der in einem Seitental des Grand Canyon in den USA beheimatet ist, verwiesen auf den Plan der Firma Denison Mines, in dieser Region eine neue Uran-Mine zu eröffnen. Bis zuletzt wurde ihr Volk nicht über das Projekt informiert. Jetzt wehrt sich die kleine Havasupai-Gemeinde gegen die drohende Verseuchung der überlebenswichtigen Wasservorkommen in der Halbwüste und die Aushöhlung ihrer Landrechte.
Von der Rücksichtslosigkeit einer Handvoll Uran-Konzerne profitieren auch deutsche Atomkonzerne. Vorsichtshalber halten sie ihre Uranquellen im Dunkeln. Auch die Bundesregierung konnte oder wollte auf unsere Nachfrage hin nicht sagen, woher das in Deutschland verbrauchte Uran kommt. Offiziell stammt über die Hälfte der Importe aus Großbritannien und Frankreich. Doch woher diese Länder das Uran beziehen, bleibt unklar. Es ist offensichtlich, dass Frankreich, das keine eigenen Uranminen betreibt, angereichertes Uran aus Niger, Namibia und anderen Ländern als Re-Exporte auch an Deutschland verkauft. Wir fordern, dass Atomwirtschaft udn Bundesregierung die genauen Quellen endlich offenlegen!
Auch deutsche Atomkraftwerke sorgen also dafür, dass die Umwelt im Großmaßstab zerstört, Arbeiterinnen und Arbeiter unter unwürdigen Bedingungen Uran abbauen und dass die Gesundheit der örtlichen Bevölkerung aufs Spiel gesetzt wird. Auf dieses zweite hässliche Gesicht der Atomkraft gibt es nur eine Antwort: Ausstieg! Oder, um mit den Worten Almoustapha Alhacens zu sprechen: "Wer einen Baum fällen will, muss bei den Wurzeln anfangen. Wer einen wirklichen Atomausstieg will, muss die Uran-Minen schließen!"