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2. Februar 2010

Klimaschutz und Wirtschaftsförderung gehören zusammen - Grüner Neujahrsempfang setzt Zeichen für Klimapolitik

Auf dem Neujahrsempfang der Lemgoer Grünen in einem gut gefüllten Stadtpalais begrüßten die Sprecher des Ortsverbandes, Gertrud Lehmann und Dr. Burkhard Pohl, neben zahlreichen grünen Aktiven und Bürgermeister Dr. Reiner Austermann auch VertreterInnen aus Wirtschaft, Hochschule, Stadt, Parteien und Nicht-Regierungs-Organisationen. Anlässlich der weltweiten Klimadebatte und der Rückschritte in der deutschen Kohle- und Atompolitik stellte der Ortsverband den Empfang unter das Motto einer zukunftsgerichteten Energie- und Klimapolitik.

Klimaschutz und Wirtschaftsförderung gehören zusammen – diese Aussage unterstrichen auch die eingeladenen Gastredner.

Kohlestopp mit HermannOttv.l.n.r.: Dr. Burkhard Pohl (OV Lemgo), Matthias Carl (IHK), Ute Koczy MdB, Gertrud Lehmann (OV Lemgo), Dr. Hermann Ott MdBDr. Hermann Ott, klimapolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag und ehemaliger Abteilungsleiter im Wuppertal-Institut, berichtete unter dem Thema "Klima, Wirtschaft, Energie: Was folgt nach Kopenhagen?" über die Kopenhagener Klima-Konferenz, bei der er selbst auch vor Ort gewesen war.

"­Ko­pen­ha­gen ist nach al­len Maßstä­ben ge­schei­ter­t", schickte Ott sein Fa­zit der Kon­fe­renz be­reits vor­weg. Einen Nach­fol­ge­ver­trag für Kyoto habe man nicht er­reicht – noch nicht ein­mal zu ver­bind­li­chen Ver­ab­re­dun­gen sei es ge­kom­men. Als Gründe nannte Ott zum einen die chao­ti­sche Or­ga­ni­sa­tion. "­Bot­schaf­ter we­del­ten mit ih­ren Di­plo­ma­ten­päs­sen und ka­men nicht rein, die dä­ni­sche Ver­hand­lung­sführung war völ­lig un­fähig und dann ver­gisst man auch noch den chi­ne­si­schen Staats­ver­tre­ter zum Din­ner ein­zu­la­den. Man hat es ein­fach nicht ver­mocht, eine At­mo­s­phäre her­zu­stel­len", so Ott.

Auch die EU habe kom­plett ver­sagt, in­dem man nicht auf die Ent­wick­lungs­län­der – vor al­lem China, In­dien, Bra­si­lien und Süd­afrika – zu­ge­gan­gen sei, die im­mer­hin für 50 Pro­zent der Treib­h­aus­gas­aus­stöße der Welt ver­ant­wort­lich sind. So hätte man zum Bei­spiel Geld und prak­ti­sche Un­ter­stüt­zung für Kli­ma­schutz­maß­nah­men in Aus­sicht stel­len kön­nen. Letzt­lich sei die EU so­mit iso­liert "am Kat­zen­tisch" ge­lan­det. "­Die Ent­wick­lungs­län­der wol­len be­han­delt wer­den wie Part­ner", er­klärte Ott. "Wenn die EU sich bes­ser auf­stellt und bes­ser ver­han­delt, kann bei der nächs­ten Kli­ma­kon­fe­renz in Me­xiko En­des Jah­res wirk­lich was raus­kom­men", zeigte sich Ott aber zu­ver­sicht­lich. Er rief dazu auf, auf allen Ebenen weiter zu handeln und zu verhandeln. Gefragt seien hier Bund, Land und Kommunen als Träger gemeinschaftlicher Interessen und Entscheider über Richtlinien.

Klimaexperte Ott betonte auch das bevorstehende Ende des Erdöls, das in wenigen Jahren für ein neues Nutzerverhalten sorgen werden. Lemgo befinde sich mit seinen Stadtwerken hier auf einem guten Wege – das sei in ganz NRW bekannt, berichtete der Gastredner zur Freude des anwesenden Stadtwerke-Geschäftsführers Arnd Oberscheven.

Kohlestopp

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Referent Matthias Carl berichtete für die IHK über das Beratungsangebot seiner Institution im Sektor Energieeffizienz. Er lud die Unternehmen zu vermehrten Anstrengungen um Energieeinsparungen auf und wies vor allem auf den Faktor Betriebskosten hin, der in Kostenrechnungen vermehrt eine Rolle spielen müsse. Hier sei in der einheimischen Wirtschaft auch ein Umdenken zu erkennen. An die Politik richtete er den Appell, die Wirtschaft durch Vorgaben nicht zu überfordern. Ein Appell, der von den Anwesenden durchaus kontrovers diskutiert wurde. Auf breite Zustimmung stieß sein Fazit, dass der Klimaschutz für deutsche Technologie-Anbieter eine Chance bedeute.

Zu Beginn hatte die Lemgoer MdB Ute Koczy die Anwesenden auf die Landtagswahl im Mai 2010 eingestimmt. NRW brauche den politischen Wechsel, und dieser sei in greifbarer Nähe: Nach der Zustimmung zur Steuersenkung für Hoteliers bekomme die schwarzgelbe Landesregierung jetzt "Fracksausen" und rudere zurück, weil die Umfragen in den Keller gingen.

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