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Auf dem Neujahrsempfang der Lemgoer Grünen in einem gut gefüllten Stadtpalais begrüßten die Sprecher des Ortsverbandes, Gertrud Lehmann und Dr. Burkhard Pohl, neben zahlreichen grünen Aktiven und Bürgermeister Dr. Reiner Austermann auch VertreterInnen aus Wirtschaft, Hochschule, Stadt, Parteien und Nicht-Regierungs-Organisationen. Anlässlich der weltweiten Klimadebatte und der Rückschritte in der deutschen Kohle- und Atompolitik stellte der Ortsverband den Empfang unter das Motto einer zukunftsgerichteten Energie- und Klimapolitik.
Klimaschutz und Wirtschaftsförderung gehören zusammen – diese Aussage unterstrichen auch die eingeladenen Gastredner.
v.l.n.r.: Dr. Burkhard Pohl (OV Lemgo), Matthias Carl (IHK), Ute Koczy MdB, Gertrud Lehmann (OV Lemgo), Dr. Hermann Ott MdBDr. Hermann Ott, klimapolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag und ehemaliger Abteilungsleiter im Wuppertal-Institut, berichtete unter dem Thema "Klima, Wirtschaft, Energie: Was folgt nach Kopenhagen?" über die Kopenhagener Klima-Konferenz, bei der er selbst auch vor Ort gewesen war.
"Kopenhagen ist nach allen Maßstäben gescheitert", schickte Ott sein Fazit der Konferenz bereits vorweg. Einen Nachfolgevertrag für Kyoto habe man nicht erreicht – noch nicht einmal zu verbindlichen Verabredungen sei es gekommen. Als Gründe nannte Ott zum einen die chaotische Organisation. "Botschafter wedelten mit ihren Diplomatenpässen und kamen nicht rein, die dänische Verhandlungsführung war völlig unfähig und dann vergisst man auch noch den chinesischen Staatsvertreter zum Dinner einzuladen. Man hat es einfach nicht vermocht, eine Atmosphäre herzustellen", so Ott.
Auch die EU habe komplett versagt, indem man nicht auf die Entwicklungsländer – vor allem China, Indien, Brasilien und Südafrika – zugegangen sei, die immerhin für 50 Prozent der Treibhausgasausstöße der Welt verantwortlich sind. So hätte man zum Beispiel Geld und praktische Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen in Aussicht stellen können. Letztlich sei die EU somit isoliert "am Katzentisch" gelandet. "Die Entwicklungsländer wollen behandelt werden wie Partner", erklärte Ott. "Wenn die EU sich besser aufstellt und besser verhandelt, kann bei der nächsten Klimakonferenz in Mexiko Endes Jahres wirklich was rauskommen", zeigte sich Ott aber zuversichtlich. Er rief dazu auf, auf allen Ebenen weiter zu handeln und zu verhandeln. Gefragt seien hier Bund, Land und Kommunen als Träger gemeinschaftlicher Interessen und Entscheider über Richtlinien.
Klimaexperte Ott betonte auch das bevorstehende Ende des Erdöls, das in wenigen Jahren für ein neues Nutzerverhalten sorgen werden. Lemgo befinde sich mit seinen Stadtwerken hier auf einem guten Wege – das sei in ganz NRW bekannt, berichtete der Gastredner zur Freude des anwesenden Stadtwerke-Geschäftsführers Arnd Oberscheven.

Referent Matthias Carl berichtete für die IHK über das Beratungsangebot seiner Institution im Sektor Energieeffizienz. Er lud die Unternehmen zu vermehrten Anstrengungen um Energieeinsparungen auf und wies vor allem auf den Faktor Betriebskosten hin, der in Kostenrechnungen vermehrt eine Rolle spielen müsse. Hier sei in der einheimischen Wirtschaft auch ein Umdenken zu erkennen. An die Politik richtete er den Appell, die Wirtschaft durch Vorgaben nicht zu überfordern. Ein Appell, der von den Anwesenden durchaus kontrovers diskutiert wurde. Auf breite Zustimmung stieß sein Fazit, dass der Klimaschutz für deutsche Technologie-Anbieter eine Chance bedeute.
Zu Beginn hatte die Lemgoer MdB Ute Koczy die Anwesenden auf die Landtagswahl im Mai 2010 eingestimmt. NRW brauche den politischen Wechsel, und dieser sei in greifbarer Nähe: Nach der Zustimmung zur Steuersenkung für Hoteliers bekomme die schwarzgelbe Landesregierung jetzt "Fracksausen" und rudere zurück, weil die Umfragen in den Keller gingen.