

Ute Koczy hat mit Agnieszka Malczak und Hans-Christian Ströbele am 14. Juni 2010 zu einem gemeinsamem Fachgespräch mit Experten zum Thema "Abzugsperspektiven für Afghanistan" in Berlin geladen. Darin wurde über die aktuelle Lage in Afghanistan, den politischen Strategiewechsel der USA sowie die Herausforderungen für die Bundesregierung vor dem Hintergrund eines militärischen Abzugs und einer Verschärfung der Sicherheitslage in Afghanistan diskutiert. Das öffentliche Fachgespräch bot Gelegenheit zu einer offenen und kritischen Auseinandersetzung mit den gemachten Erfahrungen sowie der jetzigen Situation in Afghanistan. Die Teilnehmer diskutierten über neue Empfehlungen, Kriterien und Perspektiven für den Afghanistaneinsatz. Gäste des Fachgesprächs waren: Citha Maaß (Stiftung Wissenschaft und Politik), Martin Kipping (BMZ), Arvid Bell (Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung) sowie Robert Lindner (Oxfam e.V.).
Ute Kozcy diskutiert über die Abzugsperspektiven für Afghanistan hier mit Robert Lindner (Oxfam e.V.) und Cithia Maaß (Stiftung Wissenschaft und Politik)
In einer zweistündigen intensiven Diskussion erörterten die eingeladenen Experten, Politiker und Zuhörer unterschiedliche Fragen rund um das aktuelle internationale Engagement in Afghanistan. Die zentralen Punkte waren dabei die problematische Gestaltung des zivilen Engagements. Ein Augenmerk lag dabei auf dem aktuell besonders von US-Präsident Obama propagierten "zivil-militärischen Aufbau". Die Bundesregierung und Entwicklungsminister Niebel bezeichnen dies als "Strategie der Vernetzten Sicherheit". Außerdem wurden die Lage von Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit vor Ort sowie Herausforderungen und Kernprobleme eines mittelfristigen Abzugs thematisiert.
Als auffällig wurde dabei festgestellt, dass Konflikte in Afghanistan nach wie vor verallgemeinert dargestellt werden. Ein besseres Verständnis lokaler Dynamiken und Machtverhältnisse sowie die deutliche Unterscheidung von afghanischen Distrikten und Provinzen ist dringend erforderlich. Kurzfristige politische Entscheidungen und ein hastiger Abzug ohne konkreten Plan, so zeigte sich in dem Fachgespräch, werden für Afghanistan keine Lösung sein. Ein nachhaltiger Frieden ist so nicht zu erreichen. Deshalb ist es dringend nötig, dass alle internationalen Akteure, inklusive der Bundesregierung, die Strategie für Afghanistan überarbeiten und den realen Bedingungen vor Ort anpassen.