Ute Koczy MdB

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18. Oktober 2010

Uranabbau in Tansania - Bevölkerung ohne Information über Pläne und Risiken

Reisebericht von Ute Koczy MdB und Prof. Egon Jüttner MdB
8. - 14. August 2010

 

Drei Themen standen im Mittelpunkt der Berichterstatterreise von Ute Koczy (Grüne) und Prof. Egon Jüttner (CDU):

  1. die Folgen des geplanten Uranabbaus in der Region Bahi (Zentraltansania, in der Nähe von Dodoma)
  2. die Förderung von Gold (Nord-Tansania, Besuch einer Goldmine von African Barrick Gold) und
  3. die geplante Fernstraße durch den Serengeti-Nationalpark.

Unterstützt durch die in Dodoma ortsansässigen Organisationen FEMAPO und CESOPE wurden in Dar es Salaam, Dodoma, in der Region Bahi und bei Tarime, Nord Mara Gespräche geführt.

 

Zusammenfassung:

Tansania entwickelt sich seit den 90er Jahren zu einem wichtigen Rohstoffförderland. Es ist reich an diversen Bodenschätzen wie Edelmetallen, Edelsteinen, Industriemineralien und nun auch Öl. Dabei sind die institutionellen und politischen Strukturen zur Kontrolle und Transparenz der Rohstoffe schwach ausgebildet. Tansania gehört weiterhin zu den ärmsten Ländern der Welt. So liegt das Land auf dem Index der menschlichen Entwicklung von 2009 auf Platz 151 von 182. Es stimmt nachdenklich, dass die durchaus im Visier stehende Armutsbekämpfung nicht schneller voranschreitet und sogar ökonomische Rückschritte festgestellt werden.

Die Schwerpunkte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit liegen auf der Wasser- und Abwasserversorgung, dem Gesundheitssektor und in der Unterstützung der Dezentralisierung und der kommunalen Selbstverwaltung. Gerade im letzteren Bereich sind Fortschritte gemacht worden. Dieser spannende Prozess billigt den Distrikten und Kommunen mehr Rechte zu. Bei den letzten Regierungsverhandlungen im Jahr 2009 wurden bilateral für drei Jahre insgesamt etwa 147 Mio. Euro zugesagt. Deutschland unterstützt als einer der 11 Geber die Armutsminderung mittels allgemeiner Budgethilfe (30 Mio. Euro für 2009-2011).

In Tansania  wird voraussichtlich nach den Parlamentswahlen am 31. Okt. 2010 der Einstieg in die Uranförderung fortgesetzt und die Abbaulizenzen vergeben. Die Bodenuntersuchungen der ausländischen Unternehmen waren erfolgreich und so plant die australische Firma Mantra Resources Unlimited  im Jahr 2011 den Abbau von Uran im Süden Tansanias (Mkuju River Project) im Distrikt Namtumbo der Ruvuma-Region (Siehe Anhang 1). Leider war es aufgrund des kurzen Zeitfensters und des großen Koordinationsaufwandes nicht möglich, auch diese Region zu besuchen. Wir haben unseren Besuch stattdessen auf die Region Bahi nahe der Hauptstadt Dodoma konzentriert.

Im Internet werden sowohl von Mantra Resources wie auch von der ebenfalls aus Australien agierenden Firma Uranex Informationen über Uranfunde in der Region veröffentlicht. Bei unseren Besuchen an drei Orten (Ilindi, Siedlung bei Bahi, Bahi-Sumpf) stellten wir fest, dass die in den letzten Jahren stattgefundenen Bodenuntersuchungen bei der Bevölkerung auf großes Misstrauen stießen und viel Unsicherheit hinterlassen haben. Ohne die dort übliche persönliche Vorstellung z.B. beim Dorfvorstand bzw. Ward (vergleichbar einem Stadtdirektor) wurden zahlreiche Bodenproben von mehreren Meter Tiefe entnommen, ohne die Bevölkerung über die Hintergründe oder Pläne der Unternehmen und der Regierung aufzuklären. Außerdem wurden keine Informationen über das Metall Uran, seine Gefährlichkeit und die Sicherheitsprobleme bei einem Abbau gegeben. Die Menschen dort fordern aus unserer Sicht zu Recht Information, Aufklärung und Mitspracherechte ein.

Leider waren unsere wochenlangen Kontaktversuche mit den australischen Firmen Uranex und Mantra bis zur Reise ergebnislos geblieben, so dass wir keine Gelegenheit hatten, die aus diesem Besuch entstandenen Fragen mit den Unternehmen direkt zu diskutieren. Dies muss nachgeholt werden.

Um Vergleiche ziehen zu können, wie Rohstoffabbau in Tansania funktioniert und welche Probleme es dabei gibt, besuchten wir die seit mehreren Jahren laufende Goldmine North Mara im äußersten Nordwesten von Tansania. Hier an der Grenze zu Kenia  wurde offensichtlich, wie großflächig der Tagebau die Landschaft verändert und wie schwierig es ist, die Hürden der Kommunikation zwischen der lokalen Bevölkerung und den Rohstoffunternehmen (in diesem Fall African Barrick Gold) zu überwinden. Obwohl die Leitung dieser Mine bemüht ist, zur Verbesserung der Lage für die umliegenden Dörfer und ihrer Bevölkerung (Gesundheit, Bildung) beizutragen, gelingt dies nicht. Die Ursachen dafür sind nicht genau bekannt. Dennoch ist der Unternehmensleitung klar geworden, dass man nur gemeinsam mit der Regierung und den Kommunen agieren kann.  Besonders, da illegale Sabotageakte (Zerstörung der Abdichtung der Seen mit toxisch verseuchtem Abraumwasser, unerlaubte Sprengungen in der Mine, Zerstörungen von Gerät) und kriminelle Übergriffe in der Region zunehmen und die Lage sich verschärft. Die angeprangerte Verschmutzung des Flusses Tigithe im Mai 2009 durch herausgeschwemmtes verseuchtes Wasser kann, so das Unternehmen, auch durch einen Sabotageakt geschehen sein. Einige Dorfbewohner sprechen von dauerhaft verschmutztem Flusswasser, haben aber keine Möglichkeit, dies nachzuweisen. Stattdessen verwies uns das Unternehmen auf die zahlreichen illegalen Schürfer, die z.B. das Gold mit Quecksilber auszuwaschen versuchen und damit zur Wasserverseuchung beitragen. Laut African Barrick Gold setzt das Unternehmen selbst kein Quecksilber ein.

Für die lokale Bevölkerung sind die Regeln, nach denen African Barrick Gold handelt, kaum nachvollziehbar. Was fehlt, sind vertrauensbildende Maßnahmen (Gesprächsmöglichkeiten und Angebote an die Bevölkerung) und Organisationen, die zwischen den Seiten vermitteln können und Kompensationswünsche behandeln.

Am 31. Oktober 2010 finden in Tansania Parlamentswahlen statt. Daher konnten wir nur wenige offizielle Termine wahrnehmen, um uns auch bei Regierungsstellen nach dem Stand der Diskussion zur Serengeti-Fernstraße zu erkundigen. Bei unseren Befragungen am Rande der Reise stellten wir aber fest, dass die Menschen über den Bau der Straße Bescheid wussten. Sie wiederholten die Argumente des erneut kandidierenden Präsidenten Kikwete, der für den Bau wirbt. Dies gibt Anlass zur höchsten Sorge. Unser Eindruck ist, dass die entscheidenden Gegenargumente (die Fernstraße zieht Verkehr an, die Einzäunung der Straße verhindert die Tierwanderung, dies wäre ein dramatischer Einschnitt für das Wildleben und eine höchste Bedrohung für den Nationalpark) im Land nicht bekannt sind und keine Diskussionen darüber stattfinden.

Empfehlungen:

  1. Bevölkerung in den Explorationsgebieten muss rechtzeitig mündlich und schriftlich über die konkreten Pläne des Uran-Abbaus durch Unternehmen und Regierung informiert werden
  2. Aufklärung über Strukturen und Gefahren des Abbaus von Uran
  3. Aufklärung über die Gefahren von Radioaktivität durch unabhängige ExpertInnen und Mediziner
  4. Austausch über die Erfahrungen des Uranabbaus in anderen Ländern (Besuche)
  5. Unterstützung der zivilen Organisationen
  6. Wissenschaftliche Untersuchung der ökonomischen Grundlagen der Bevölkerung, bevor der Uran-Abbau beginnt. Insbesondere am Bahi-Sumpf müssen vorab Grundlagen gelegt werden, um über die Folgen der Veränderungen und deren Kompensation beraten zu können

Informationen über Uran [1]:

Gesundheitliche Gefahren beim Uranabbau

Alle natürlichen Uranisotope (U 234, U235, U238) sind radioaktiv. Das am häufigsten vorkommende Uran 238 zerfällt natürlicherweise in 13 weitere Uranisotope. Diese Zerfallsprodukte sind wie das natürliche Uran ebenfalls radioaktiv. Bis auf Radon 222, welches ein radioaktives Gas darstellt, sind alle Uranzerfallsprodukte ebenfalls wie das Uran Metalle.

Uran emittiert Alpha-, Beta- und Gammastrahlung. Das in der Erde befindliche Uranmetall verfügt über eine spezifische Radioaktivität von 40 Bq/kg. Solange sich das Uran unter der Erde befindet, sind Mensch und Tier weitgehend gegen die radioaktiven Risiken geschützt, schon eine 1 cm dicke Erdschicht schützt gegen Alpha und Beta-Partikel. Zum unmittelbaren Schutz gegen Gammastrahlung braucht es hingegen schon einige Meter Erde.

Wenn das Uran jedoch aus der Erde mittels Bergbau an die Erdoberfläche kommt, wird es mitsamt seinen Spaltprodukten gefährlich für alle Lebewesen.

Der Weg des Uran durch den Körper:

Uran kann durch Inhalation von uranverseuchter Luft oder durch mit Uran verseuchtem Trinkwasser in den menschlichen Körper gelangen. Von der Lunge aus wandert es in die dortigen Lymphknoten und gelangt in den Blutkreislauf. Die Ausscheidung erfolgt über die Niere oder den Darmtrakt. Uran ist radiotoxisch und chemotoxisch wirksam. Einmal im menschlichen Körper gelagert, konzentriert es sich im Skelett, in der Leber, in der Niere, in Lymphknoten, im Gehirn und in den Hoden.

Uran verursacht vor allem durch sein Spaltprodukt, das Radongas, Lungenkrebs, aber auch andere Krebssorten, wie Leberkrebs, Magenkrebs, Lymphome, Leukämie und andere Bluterkrankungen. Auf die Niere wirkt es als Metall toxisch und verursacht schwere Nierenschäden. Am Embryo kann es zu Fehlbildungen, erhöhte Säuglingssterblichkeit, Totgeburten und Down-Syndrom führen.

[1]Dr. Angelika Claußen, Vorsitzende von IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges): "Gesundheitliche Folgen des Uranbergbaus allgemein und am Beispiel des Konzerns Areva in Niger"

 

Reiseablauf:

Sonntag, 8. August 2010, 22 h:
Ankunft Ute Koczy in Dar es Salaam

Montag, 9. August 2010

10 h - 12:30 h – Treffen von Ute Koczy mit Anthony Lyamunda (CESOPE) und Mathias Lyamunda (FEMAPO)

FEMAPO (Foundation for Environmental Management und Campaign against Poverty) und CESOPE (Civil Education is the Solution for Poverty and Environmental Management) sind in den letzten zwei Jahren entstanden. Diese international vernetzten Organisationen haben es sich zum Ziel gemacht,  die Bevölkerung über die Folgen des Uranabbaus zu informieren. Mit Sitz in der Hauptstadt Dodoma werden von dort aus die Aktivitäten regional (Bahi) und landesweit koordiniert. Bei unserem Treffen wurden entlang unseres Programmentwurfs die letzten Fragen geklärt und nötige Vorbereitungen getroffen. Beide Organisationen werden in Kürze die Arbeit für ein dreijähriges  Projekt, finanziert durch Brot für Welt, aufnehmen.

12:45 hGespräch in der Deutschen Botschaft

Botschafter Dr. Guido Herz weist darauf hin, dass es in Tansania auf bisher einmalige Weise gelungen sei, sowohl die europäischen (Deutschland, Frankreich, Großbritannien) als auch andere Botschaften unter einem Dach im Umoya-Haus (Gemeinschaftshaus)  zu vereinen. Bedauerlicherweise sei es nicht möglich gewesen, eine Solaranlage als Pilotprojekt auf dem Dach zu installieren.

13:00 h – Treffen mit den Durchführungsorganisationen der deutschen EZ

Anwesend: Gisela Habel (WZ-Referentin an der Deutschen Botschaft), Dr. Axel Dörken (GTZ), Frank Holtmeier (GTZ), Peter Breuer (DED), Wolfgang Weth (KfW), Angela Tormin (KfW), Inge Baumgarten (KfW), Dagmar Traub-Evans (Deutsche Botschaft)

– während des Gespräches Eintreffen von Prof. Egon Jüttner –

Nach einer Erläuterung über den Hintergrund der Reise durch Ute Koczy werden Informationen über die Situation im Land aus entwicklungspolitischer Sicht ausgetauscht. Da die deutsche EZ jedoch nicht in den besuchten Regionen Bahi und Nord Mara aktiv ist, konnten darüber keine näheren Informationen gegeben werden.

Die Zusammenarbeit zwischen den deutschen Organisationen funktioniert.

Eigentlich sind die Voraussetzungen für Tansania gut. Die Regierung hat große Unterstützung in der Bevölkerung und wird aller Voraussicht nach mit großer Mehrheit wieder gewählt, da die Opposition schwach ist. Das Land gilt als entwicklungsorientierte Demokratie, doch das Pro-Kopf-Einkommen liegt nur bei etwa 440 US-Dollar. 

Die elf Geberländer zeigen sich besorgt über die mangelnden Fortschritte in Tansania. Trotz der Armutsbekämpfungsstrategie (genannt "Mkukuta") und großer Geberaktivitäten ist kein Fortschritt im Kampf gegen die Armut zu verzeichnen. So sei die Müttersterblichkeit gerade in Tansania vergleichsweise extrem hoch. Die Frage ist, inwieweit die Mittel aus Geberhand nicht strikter zu handhaben seien. Die elf Geberländer – Deutschland gibt hier den kleinsten Beitrag – haben sich inzwischen darauf verständigt, größeren Druck auf die Regierung auszuüben. Immerhin ist ein Drittel des tansanischen Haushaltes geberfinanziert.

Sehr interessant waren die Ausführungen zum Stand der Dezentralisierung. Diesen Schritt geht die Regierung seit Ende der 1990er Jahre. Damit soll den Kommunen mehr politische, fiskalische und administrative Eigenverantwortung gegeben werden. Sie sind verantwortlich für die Basisdienstleistungen wie Gesundheit, Bildung, Wasser, Landwirtschaft etc. Gleichzeitig geht es um die Förderung guter Regierungsführung auf kommunaler Ebene. Auch wurde ein neues vertikales Finanztransfersystem eingeführt, das den Kommunen mehr Investitionsmittel in die Hand gibt. Deutschland leistet hierzu auch einen wichtigen Beitrag durch die Unterstützung dieser Politik. Dieses politisch gesehen sehr wichtige Feld ermöglicht es der Bevölkerung und den sehr schwachen Zivilorganisationen, sich zunehmend zu äußern und einzumischen.

Im Wassersektor ist ein Problem, dass unrealistische Ziele der Versorgung genannt werden . Der Etat scheint zwar mit 250 Mio. US-Dollar gut ausgestattet zu sein, dies reiche aber gerade für die Erhaltung des Status Quo der Versorgung aber nicht zur notwendigen Ausweitung des Netzes.  Die Verwaltung spielt eine große Rolle. Bisher sei es so, dass die Wasserpolitik eher diejenigen privilegiere, die schon Zugang haben, aber diejenigen benachteilige, die Wasser teuer (bis zu 10fach überhöht) kaufen müssen.

Auch im Gesundheitsbereich gilt es aufzuholen. Das Bevölkerungswachstum, aber auch die sehr hohe Müttersterblichkeit (578 auf 100 000 Geburten) sind alarmierend, auch weil weniger als 50% der Stellen für Gesundheitspersonal besetzt werden können. Die Geber möchten inzwischen weg von kleinen individuellen Projekten und besser eine langfristige Strategie zur Gesundheitsfinanzierung unterstützen. Immerhin sei es gelungen, die Kinder- und Säuglingssterblichkeit zu senken, die HIV-Ausbreitung einzudämmen und Malaria und Tuberkulose durch Impfmaßnahmen besser zu

Die nachfolgenden zwei Termine finden zusammen mit Anthony und Matthias Lyamunda statt.

15:00 h – Treffen mit Mr. Alex Magayane, Assistant Commissioner for small-scale mining development, Ministerium für Energie und Bergbau

Die Räumlichkeiten und die Vorstellung von Herrn Magayana lassen uns bezweifeln, dass das Ministerium Eingaben von Firmen zur Rohstoffförderung wie z.B. von Uran auf geeignetem Niveau kontrollieren kann. Uranabbau stuft Herr Magayane als neues Thema ein, zu dem er wenig sagen kann. Unsere Fragen zum Stand der Lizenzvergabe in Bezug auf das Mkuju River-Projekt und zu den Ergebnissen der Explorationen in der Bahi-Region werden nicht beantwortet. Allerdings verweist er auf seine Erfahrungen mit der Arbeit von EITI (Extractive Industry Transparency Initiative).

Tansania erhielt am 19. Februar 2009 den Kandidatenstatus für den EITI-Prozess. 2011 sollte eigentlich die Validation laufen; doch Tansania hat sich bislang nur langsam an die Umsetzung der geforderten Richtlinien gemacht. Immerhin kam es am 10. März 2010 zur Unterzeichnung eines "Memorandum of Understanding" zwischen Regierung und der "multi-stakeholder-group" unter der Leitung des Ministers für Energie und Bergbau, William Mganga Ngeleia.

Treffen mit Herrn Benedikt Mushingwe, Leiter des EITI-Sekretariats

Weitaus besser informiert über aktuelle Entwicklungen von Transparenz und Offenlegung der Finanzströme war Herr Benedikt Mushingwe, Leiter des EITI-Sekretariats. Er bestätigte u.a. auf Nachfrage nach dem Validationsbericht, dass der EITI-Prozess sich in Tansania um ein Jahr verzögert hätte. Allerdings konnte auch er die Fragen zur Uranförderung nicht beantworten.

16:15 h – Treffen mit Julius Ningu, Generalsekretär im Büro des Vizepräsidenten

Herr Ningu ist relativ neu auf dem Posten. Er ist gerade dabei, notwendige Strukturen für den Informationsfluss und die Berichterstattung für den "National Environmental Management Council (NEMC)"  zu entwickeln. Dieser existiert seit 1983 und hat die Aufgabe, über den Umweltschutz und die nachhaltige Entwicklung in Tansania zu wachen. Er sei angewiesen auf Informationen, die ihn zu kritischen Themen erreichen. Zum Thema Uranabbau und auch zur Frage der Straße durch die Serengeti äußerte er sich zurückhaltend. Er verwies mit Bezug auf die Serengeti allerdings auf das Problem der wachsenden  Bevölkerung und dass die Ernte durch Wildtiere gefährdet sei. Gerade sei ein Team von Experten vor Ort und würde sich dort informieren.

19 h – Abendessen auf Einladung von Botschafter Dr. Guido Herz:

Mit uns anwesend: Frau Habel, Richard Shaba (Konrad-Adenauer-Stiftung) und Frau Traub-Evans (Botschaft)

Austausch über die positiven politischen Entwicklungen in Tansania. Leider sei dieses auf der ökonomischen Seite nicht so – das Land komme nicht voran. Institutionen seien zu schwach, Bildungsfortschritte nicht erkennbar. Hauptproblem sei die mangelnde Elektrifizierung. Hier würden kaum Fortschritte erzielt. Auch die Verkehrsfrage sei nicht gelöst. Inzwischen ersticke Dar es Salaam auch am Verkehr.

Budgethilfe: die elf Geber seien zu inkonsequent in ihrer Haltung bei gewissen Fragen. Budgethilfe werde auch für Überflüssiges ausgegeben bzw. ermögliche Ausgaben dafür. Auslandsreisen werden subventioniert und sind deshalb ein Grund für die häufige und längere Abwesenheit der Regierung und ihrer Mitglieder.

Dienstag, 10. August 2010: Fahrt nach Dodoma

Knapp 8 Stunden dauert die Fahrt von Dar es Salaam nach Dodoma, in die zentral gelegene Hauptstadt Tansanias. In unserem Fall haben wir Glück, dass sich der Verkehr morgens nur stadteinwärts staut – dies aber in erschreckenden Ausmaßen.

Eintreffen von Dr. Axel Harneit-Sievers, Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung für die Region Ostafrika und das Horn von Afrika sowie von Christina Hessler, HBS-Praktikantin.

19:30 h – Abendessen und Diskussion mit politischen VertreterInnen aus der Region Bahi

CESOPE/FEMAPO organisieren eine Diskussionsrunde und laden mit unserer Unterstützung den Abgeordneten Hon. William Kusira, VertreterInnen der Distriktebene und einzelner Kommunen ein. Schließlich kommen 13 Gäste. Leider lässt sich der Abgeordnete Kusira entschuldigen und sagt auch ein für später geplantes Treffen ab.

Von Seiten unserer GesprächspartnerInnen wird eingesehen, dass man zwar auch über die negativen Seiten der Uranförderung sprechen müsse. Aber es gehe auch darum, dass Tansania ein armes Land sei und es deshalb nicht die Möglichkeiten gebe, den Uranabbau so zu kontrollieren, wie es in anderen Ländern geschehe.

In Anbetracht der Situation in den einzelnen Regionen sei es schwierig, die richtigen Informationen zu bekommen. Notwendig sei, sich selber ein Bild von anderen Ländern zu machen, in denen schon Uran gefördert werde, um davon zu lernen.

Auf der einen Seite gebe es Menschen, die interessiert sind und mehr wissen wollen und auf der anderen Seite seien die Gemeinden, die mit dem Uranabbau umgehen müssten. Die Regierung spreche nicht über die negativen Folgen des Uranabbaus, daher sei wenig bekannt. Es herrsche Unsicherheit, inwieweit die Pläne fortgeschritten sind.

Ein Teilnehmer verwies darauf, dass der Präsident selber die Pläne zur Uranförderung bestätigt habe, es seien also keine Gerüchte.

Aus einer anderen Richtung wurde darauf hingewiesen, dass es doch Pläne zur Beteiligung der Gemeinden geben müsse. Außerdem wird ein Aufklärungsprogramm gefordert, das die Menschen informiert. Die Organisationen FEMAPO und CESOPE sollten Filme auf Kisuaheli nutzen, um in die Dörfer zu reisen und Aufklärung zu betreiben. Man müsse Netzwerke aufbauen.

"Africa – without education nothing to be done!" unterstrich ein Teilnehmer.

Mittwoch, 11. August 2010:

Bahi – Informationstour

Wir fahren mit drei Autos aus Dodoma in Richtung des Ortes Bahi in nordwestlicher Richtung los. Nach dem Abzweig von der Hauptstraße Richtung Norden Fahrt durch die salzhaltige, gegenwärtig ausgetrocknete Senke. Als wir an einer Ziegen- und Schafherde vorbeifahren, springt eines der Schafe unvermittelt auf und wird überfahren. Es ist so schwer verletzt, dass es im Laufe der nächsten halben Stunde verendet. Während die Verhandlungen über die Entschädigungszahlung vorangehen, entdecken wir am nahen Bachlauf Frauen, die in Pfannen Salzwasser kochen. Sie erzählen uns, dass sie mit dem abgeschlagenen Holz am Tag drei Eimer voll Salz gewinnen können. Der Untergrund ist so salzhaltig, dass es mit relativ wenig Aufwand gelingt, dieses Salz entlang des Bachlaufs zu gewinnen. Dazu wird ein  Loch gegraben, in das salzhaltiges Wasser nachfließt, das aufgefangen in den Blechpfannen zum Sieden gebracht wird. Pro Eimer erhalten die Frauen umgerechnet 1 US-Dollar.

Nach einigem Hin und Her werden umgerechnet 25 Euro  für das Muttertier gezahlt. Das Schaf schenken wir den Frauen, die u.a. die Hirten kritisiert hatten, weil sie ihre Warnungen nicht beachtet haben, dass die Tiere besser nicht entlang der Straße weiden sollten.

Wegweiser_Ilindi

Ankunft im Dorf Ilindi: Wir stellen uns und unsere Gruppe bei der Verwaltungschefin vor. Frau M., die nicht genannt werden wollte, ist als "Ward" einer Stadtdirektorin vergleichbar.  In Tansania ist es üblich, dass man sich bei solchen Terminen in ein Gästebuch einträgt. Nach und nach kommen immer mehr Personen hinzu und so füllt sich der kleine Besuchsraum schnell. Der Vorschlag, nach draußen zu gehen, wird jedoch abgelehnt, da unser Treffen sonst als Versammlung wahrgenommen worden wäre und dies eventuell zu Ärger für Frau M. geführt hätte.

Das Dorf war vor einem Jahr unangekündigt durch ein Forschungsteam aufgesucht worden, welches ohne vorstellig zu werden (kein Eintrag ins Gästebuch) anfing, Bodenproben in der Nähe eines Hauses zu entnehmen. Dies hatte für Aufregung gesorgt, da die Dorfbewohner nicht über die Aktivitäten des Forschungsteams informiert wurden. Auf die Rückfrage der DorfbewohnerInnen an das Team, ob hier eine Erlaubnis erteilt wurde, lautete die Antwort, die Forschungsaktivitäten seien in Dar es Salaam genehmigt worden. Hierfür konnte allerdings kein schriftlicher Beweis durch das Team erbracht werden. Außerdem kam es am 30.1.2010 laut Eintragung im Gästebuch zu einem Besuch von 5 Personen von TANZOR (T) Unlimited, darunter ein Geologe und Geotechniker.

Blick auf UranabbaugebietBlick auf ein möglicherweise künftiges Uranabbaugebiet bei Ilindi

Mehrere Personen berichteten, dass sie sich nicht über das Vorhaben zum Uranabbau informiert fühlen und widersprüchliche Informationen über Auswirkungen und Gefahren erhalten. Dies macht es den Dorfbewohnern schwer, sich eine Meinung zu bilden. Inzwischen gibt es unterschiedliche Positionen innerhalb der Dorfbevölkerung.Uns werden Fragen nach den Risiken von Uran gestellt, die wir kurz beantworten, aber gleichzeitig auf die Notwendigkeit  einer unabhängigen Information durch Experten für den Meinungsbildungsprozess der DorfbewohnerInnen hinweisen.

Auf die Frage nach den Besitzverhältnissen und Landbesitz, kommt es zur Debatte zwischen den DorfbewohnerInnen. Eigentlich sei das Land Dorfeigentum.  Vor Ort werde entschieden, welches Land für welche Zwecke genutzt werde, z.B. für Ackerbau, Viehhaltung oder Wald. Daher sind Konflikte vorprogrammiert, wenn die Regierung eingreift und andere Landnutzungstitel erteilt. Insofern muss  im Falle eines Abbaus von Uran die Frage gestellt werden, inwiefern die Rechte der Dorfgemeinschaft berücksichtigt werden. Uns wird seitens der Dorfbevölkerung mit auf den Weg gegeben, dass die Menschen in Ilindi gegen den Abbau des Urans seien.

Tan Männer am Brunnen

Zurück auf der Hauptstraße fahren wir über Bahi gen Norden zu einer weit abgelegenen Siedlung von Viehzüchtern. Dort führt uns der mächtigste Mann im Dorf zu einem nicht fertig gebauten Brunnen. Er erklärt uns, dass der Brunnen bereits ca. 9 m tief getrieben worden sei, als ihm von offizieller Stelle mitgeteilt wurde, dass er diesen  aufgrund einer Gefährdung nicht nutzen dürfe. Die Gründe dafür wurden ihm allerdings nicht mitgeteilt.
Unser Gesprächspartner sieht jedoch einen Zusammenhang zwischen dem Verbot der Brunnennutzung und dem Explorations-team, das in der Gegend nach Uran gesucht hatte. Naheliegend sei, dass das sich im Boden befindliche Uran das Brunnenwasser ungenießbar mache.

Wir gehen durch ein ausgetrocknetes Bachbett  zu der vom Explorationsteam mit einem Stock markierten Stelle. Im Bachbett war damals ein mehrere Meter tiefes Loch zur Uranexploration gegraben worden. Vermutlich sei dieser Ort per Satellit dokumentiert worden. Das Loch sei damals nicht zugeschüttet, sondern erst in der Regenzeit durch die angeschwemmte Erde wieder aufgefüllt worden. Auch hier wird uns berichtet, dass keinerlei  Kommunikation zwischen dem Forschungsteam und der  Dorfbevölkerung über die Hintergründe stattfand, sondern das Team ohne Erklärungen zur Entnahme von Bodenproben vorgefahren sei.

Markingsstab bezeichnet Ort der ExplorationDer Stab bezeichnet Ort der Exploration im Bachbett, wir zu sechst davor

Erneut sind wir knapp zwei Stunden unterwegs, um zu unserem letzten, äußerst interessanten Dokumentationspunkt, dem Bahi-Sumpf, zu kommen. Hierbei handelt es sich um einen abflusslosen See, der sich in der Trockenzeit zurückzieht, wodurch sich das schlammige Ufer immer mehr ausbreitet und verhärtet. Der ca. 40 km lange See ist ein faszinierender Ort. Am Ufer befinden sich die Hütten der Fischer, die mit ihren Einbäumen auf einer Wasserrinne auf den inzwischen mehrere hundert Meter entfernten See hinausfahren und dort jeden Tag etwa 3 Tonnen Fisch fangen. Dieser wird durch das aus Dodoma angelieferte Eis kühlgehalten und dann verpackt in die Hauptstadt gefahren. Wir zählen knapp hundert Einbäume, die entlang der Rinne lagen. Von diesen Dörfern entlang des Sees soll es bis zu 80 geben.  Uns wird berichtet, dass die Dauer der Trockenzeiten unterschiedlich sei und der See auch komplett austrocken könne. Die Fische überleben diesen Zustand, indem sie sich entweder in den Schlamm eingraben oder den Flusslauf des Bubu hinauf wandern. Unser  erster, sicherlich oberflächlicher Eindruck ist, dass sich die Menschen hier an die Lebensverhältnisse angepasst haben und mit diesen Bedingungen leben können.

Fischerin bringt ihren Fang über den Bahi SumpfFischerin bringt ihren Fang über den Bahi Sumpf nach Hause

Auch hier im Bahi-Sumpf waren, allerdings schon vor längerer  Zeit,  Bodenproben entnommen worden, die sich dann in der nächsten Regenzeit wieder verfüllten. In den Gesprächen, die wir mit den Fischern führen, wird uns mitgeteilt, dass sie keine Informationen über die näheren Gründe für die Bohrungen im Sumpfgebiet erhalten hätten. Es hätten keine Gespräche stattgefunden und auch nach dem Besuch des Forschungsteams seien die Menschen nicht über die weitere Planung aufgeklärt worden. Es gebe unter den Fischern aber Befürchtungen, dass sie im Falle eines Abbaus umziehen müssten, allerdings wisse niemand Genaueres.

Donnerstag, 12. August 2010

Dieser Tag war ein vollständiger Reisetag, an dem wir von Dodoma mit dem Auto zum Flughafen nach Dar es Salaam fuhren und von dort mit dem Flieger nach Mwanza. Ankunft im Hotel Tilapia um 21.30 Uhr.

Freitag, 13. August 2010

Tarime, Kiwanja und African Barrick Gold, Besichtigung der Mine Nord Mara

Um 5 Uhr morgens fuhren wir zusammen mit Mathias Lyamunda und China Belosi Alkadi  in das Hinterland Nord Mara. In Tarime machten wir kurz halt, um uns bei der Polizei (District Officer Ernest N. Kadokola) vorzustellen. Die Gegend ist eine der wenigen in Tansania, in der es eine eigenständige Polizeistation gibt. Hintergrund sind kriminelle Übergriffe, die aufgrund der Grenznähe, der Anziehungskraft der Mine und der Vernachlässigung durch die Regierung  zur Bedrohung geworden sind. Wir erläutern dem District Officer unser Anliegen und machen uns dann auf den Weg zur ca. 43 km entfernten Mine.

Nach unserer Ankunft im Dorf Kiwanja  kommt nach kurzer Zeit der Dorfvorsteher vorbei. Er zeigt sich uns gegenüber sehr reserviert. Es sei schon oft Besuch ins Dorf gekommen, aber an den Problemen mit dem Wasser oder den Tieren hätte dies nichts geändert. Dennoch können wir in Begleitung von einigen Männern zum kleinen Fluss Tigithe aufbrechen. Auf dem Weg dorthin kreuzen wir die breit angelegte Minenstraße, an der große Steine darauf hinweisen, dass es sich hier um eine Privatstraße handele und abbiegen verboten sei. Wir fahren an die Stelle, an der im Mai 2009  toxisch verseuchtes Wasser auf breiter Fläche in den Fluss lief. Selbst jetzt, über ein Jahr nach dem Ereignis,  ist das Gras verdorrt und die dort angepflanzten Kasawa- und Bananenbäume wachsen nicht richtig.  Wir treffen den 72-jährigen Besitzer des Grundstücks, Herrn Richard Masoya-Masaite, der uns durch das Unterholz zum Flusslauf führt, um uns den Weg des Wassers zu zeigen. Er weist uns darauf hin, dass dieser  Zulauf zum Fluss neu sei  und dass man hier die Verschmutzung des Wassers beim Eintritt in den Tigithe sehe.

Die Männer sind bestrebt, uns den Schaden zu verdeutlichen, der für sie und die Bevölkerung durch die Verschmutzung des Flusses eingetreten ist. Sie geben uns ein offizielles Schreiben, in dem sie darauf hingewiesen worden waren, den Tod von Kühen schneller zu melden, damit die Tiere auf ihre Todesursache hin untersucht werden können.

GoldmineGoldmine North Mara

Eintreffen 12.30 h am Haupteingang der Nord Mara Gold Mine.

An der Nord Mara Gold Mine werden wir sehr freundlich empfangen.  Kevin Jennings, Chief Financial Officer von African Barrick Gold, erläutert uns in einem Powerpoint-Vortrag ausführlich die Situation. Die Mine Nord Mara arbeitet seit April 2002  im offenen Tagebau. In zehn Jahren entwickelte sich Barrick Gold mit seinen 4 Minen (Bulyanhulu, Buzwagi, North Mara,Tulawaka) zum größten Goldproduzenten in Tansania. Aufgrund der Intention, an der tansanischen Börse gelistet zu werden, agiert das Unternehmen seit Anfang 2010 unter dem Namen "African Barrick Gold" (ABG). Gegenwärtig produziert North Mara laut Gesellschaft für Internationale Entwicklung (SID) ca. 267,000 Unzen Gold (8,51 Tonnen) pro Jahr und beschäftigt etwa 1100 Menschen, ca. 84% davon aus Tansania. Die Förderung soll weitere 12 Jahre laufen und die Gruben erweitert werden.

ABG sieht sich als Katalysator für Wachstum in Tansania. 2009 habe man immerhin 74 Millionen US-Dollar an direkten Steuern gezahlt. Herr Jennings erläutert, dass es dem Unternehmen auch wichtig sei, in Kontakt mit den umliegenden sieben Dörfern zur Verbesserung der Situation beizutragen. Das sichtbarste Zeichen für diese Bemühungen sind die Stromleitungen, die jetzt nach Tarime führen. Allerdings habe ABG schlechte Erfahrungen mit Beteiligungen am Aufbau des Krankenhauses und  der Schulen gemacht. Sogar die Einweihung durch den Premierminister habe nicht dazu geführt, dass diese Projekte aufrechterhalten werden konnten.  Es sei wohl ein Problem, dass in dieser Region die Opposition regiere, weshalb sich  die Regierung bislang zurückgehalten und wenig in Bildung  und andere Infrastrukturmaßnahmen investiert habe. Die allgemeine Situation habe sich nicht verbessert. Nicht einmal zivile Organisationen seien hier aktiv. Man könne nur etwas ändern, wenn auch die Regierung und die Kommunen gemeinsam handeln würden. ABG sei hierzu bereit.

Der Arbeitsablauf in der Mine sei gefährlich. Dies sei nicht nur auf die Arbeit selbst zurückzuführen, da hier hohe Sicherheitsstandards angelegt würden und statistisch wenig Unfälle vorkämen. Die Gefahr läge vielmehr in Überfällen durch schwer bewaffnete Banden, illegalen Abbau und Sabotageakte begründet. Die Nähe zur Grenze befördere Kriminalität und Übergriffe durch ausländische Gruppen. Während sich der Großteil der Bevölkerung mit der Nähe der Mine arrangiert hätten und in Frieden leben wollten, gebe es etwa 10 Prozent, die große Schäden verursachten. Da Überfälle und Diebstahl an der Tagesordnung seien, werden z.B. die geologischen Messteams des Unternehmens  durch eigene Sicherheitskräfte begleitet. Beim illegalen Abbau werde  das Material aus den offenen Gruben mit Dynamit herausgesprengt und das Gold dann an anderer Stelle, oft mit Quecksilber, herausgelöst. Nord Mara würde kein Quecksilber benutzen, daher sei Kritik an der Verseuchung der Böden nicht gerechtfertigt. Außerdem sieht man bei ABG die norwegische Studie über die besorgniserregende Verseuchung der Böden (Investigation of trace metal concentrations, siehe Anhang) kritisch. Man hätte für die Studie keine Rücksprache mit ABG gehalten und so seien einige Annahmen falsch. Diese Studie dokumentierte einen besorgniserregend hohen Anteil von Arsen und toxischen Metallen im Wasser rund um die Mine. Auch die Menge von Arsen in den Sedimenten müsse deshalb dringend näher untersucht werden.

 

Toxisches Abraumwasser_gesichertInzwischen werden Auffangbecken mit toxischem Abraumwasser durch Stacheldraht gesichert

An das Gespräch anschließend ermöglicht uns eine Rundfahrt zu den Gruben Einblicke  sowohl in die  Ausmaße der Mine (insgesamt 750 km),  als auch in die Probleme bei der Überwachung und Sicherheit. So werden uns Zerstörungen an den Abdichtungen der Sickergruben erläutert, die möglicherweise zum  Überlaufen der giftigen Abwässer in den Tigithe beigetragen haben. Auf Nachfrage wird darauf hingewiesen, dass ABG mittlerweile  im Gespräch mit dem Besitzer sei und evtl. den Boden abtragen werde.

 

 

 

Goldmine Zerstörung des Bodens nach Auslaufen von verseuchtem WasserGoldmine: Zerstörung des Bodens nach Auslaufen von verseuchtem Wasser

 

Tigithe Mat Jü Richard Masoya-Maseite UteAm Tigithe: Matthiasi Lyamunda, Prof. Jüttner, Richard Masoya-Maseite, Ute Koczy

Außerdem könne man feststellen, dass rund um die Mine immer mehr Bananenplantagen angelegt würden. Dieser Anbau sei hier eigentlich unüblich und die Bananen würden hier auch nicht wachsen. Das Anlegen der Plantagen geschehe (nur) mit Blick auf mögliche Kompensations-zahlungen im Falle einer Erweiterung der Mine. 

 

 

Samstag, 14.August 2010

Rückflug Manza – Dar es Salaam, Pressekonferenz, Rückflug Deutschland

Die Zeit in Dar es Salaam nutzten wir für eine Pressekonferenz, auf der auch die Deutsche Welle präsent war und für ein kurzes Gespräch mit Botschafter Herz. Danach nahmen wir den Flieger zurück nach Deutschland.

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Quellen

Åsgeir R. Almå s, Charles Kweyunga and Mkabwa LK Manoko: Investigation of trace metal concentrations in soil sediments and waters in the vicinity of "Geita Gold Mine" and "North Mara Gold Mine" in North West Tanzania.IPM-report 2009.

BMZ: Sachstand: Deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Tansania, Juli 2010.

Dr. Claußen, Angelika, IPPNW-Vorsitzende: Gesundheitliche Folgen des Uranbergbaus allgemein und am Beispiel des Konzerns Areva in Niger. Ohne Datum.

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Mantra: http://mantraresources.com

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SID -Society for International Development: The Extractive Resource Industry in Tanzania. Status and Challenges of the Mining Sector, 2009.

Uranex: http://www.uranex.com

 

 

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