Nigeria
".... als wären es zwei Nationen"
Die Reise erfolgte auf Einladung der Katholischen Bischofskonferenz von Nigeria (CBCN) zur Teilnahme an der Konferenz "Nigeria: Making Oil and Gas Wealth Serve the Common Good" (1.-4. Nov. 2006).
Am Rande fanden einzelne Besichtigungen und Informationsgespräche statt, u.a. mit einem Vertreter der Heinrich-Böll-Stiftung und über ein Frauenprojekt der GTZ in Borno State, im Norden Nigerias. Zudem konnte ich an einer Fahrt Richtung Port Harcourt teilnehmen, die eine Stippvisite bei einer künftigen Keramikfabrik in Abia ermöglichte sowie die Besichtung eines unkontrolliert brennenden Bohrlochs, der Shell-Förderstation und des Dorfes Umuechem im Niger-Delta umfasste.
Zusammenfassung
Ich hatte die Reise angetreten mit der Frage, warum es Nigeria nicht gelingt, den Reichtum an Bodenschätzen für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung zu nutzen. Mein Fazit lautet, dass dieses Land zutiefst zwischen Reich und Arm gespalten ist. Nigeria wirkte auf mich, als wären es zwei Nationen.
Die Infrastruktur des Landes ist auch in den Förderregionen im Niger-Delta ein Desaster: Straßen sind in einem oftmals katastrophalen Zustand, Müllentsorgung bedeutet Deponierung entlang der Straßen, während moderne Wegelagerer ihren Obulus von einheimischen Autofahrern verlangen. Der inländische Flugverkehr entspricht nur in Ausnahmefällen internationalen Standards, die Gesundheitsversorgung arbeitet auf niedrigstem Niveau und es herrscht die organisierte Verantwortungslosigkeit der Behörden. Bildung und Ausbildung ist Mangelware, die Menschen werden allein gelassen und es grenzt an ein Wunder, wie hier ein Überleben organisiert werden kann.
1958 wurde das erste Öl im Niger-Delta (Oloibiri) gefunden. Bisher war das zum Schaden der Bevölkerung. Trotz jährlicher Erdöleinkünfte zwischen 38 und 52 Milliarden Dollar arbeiten Ölunternehmen wie Shell und Chevron unter Missachtung von Umweltstandards. So wird seit Jahrzehnten Gas ohne Filter ununterbrochen im großen Stil abgefackelt, Ölverschmutzungen werden nicht beseitigt, Leckagen mehr oder wenige ignoriert und die Böden sowie das Grundwasser dauerhaft verseucht. Der Kontrast zwischen Armut und millionenschweren Gewinnen stinkt im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel. Korruption auf höchster Ebene lenkt die der Bevölkerung zugedachten Mittel zumeist in private Taschen einiger weniger. Trotz hehrer Worte und den Ansätzen zur Veränderung, z.B. durch die Einrichtung einer nigerianischen Transparenz Initiative NEITI (Nigerian Extractive Industrie Transparency Initiative) hat sich in der Realität wenig geändert. Zur Zeit spitzt sich die Situation im Niger-Delta zu. Militante Gruppen suchen seit einiger Zeit eigene Einnahmequellen durch Kidnapping und Erpressung vorrangig unter den Mitarbeitern der Ölgesellschaften. So ist eine Zunahme an staatlich motivierter Gewalt zu verzeichnen.
Die Katholische Bischofskonferenz hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die krassen Widersprüche zwischen Öl- und Gasreichtum und der Armut des Landes anzuprangern und von Staat und Unternehmen die moralische Verpflichtung einzufordern, für Gerechtigkeit zu sorgen. Auf der Tagung wurde mit deutlichen Worten die Regierung des Diebstahls bezichtigt und gefordert, die Plünderung des Landes zu beenden.
Kurzüberblick der Reisestationen
31.10.06 |
| Ankunft in Lagos. Abendessen mit Dr. Ralf Teepe, Deutsche Botschaft in Lagos. |
01.11.06 |
| Weiterflug Lagos, Enugu mit Aerocontractors. Abholung von KonferenzteilnehmerInnen am Flughafen und Fahrt nach Emene ins Konferenzzentrum. Informationsgespräch mit Adewale Agbojo, Heinrich-Böll-Stiftung. |
02.11.06 |
| Beginn der Konferenz. Gespräch mit VertreterInnen der GTZ. |
03.11.06 |
| Ende der Konferenz. Besichtigung des Waisenhauses der "Schwestern der göttlichen Liebe" sowie Besuch des ehemaligen Mutterhauses des Ordens bei jungen Müttern und Waisenkindern. |
04.11.06 |
| Abfahrt mit Pater Kevin O'Hara (Center for Social and Corporate Responsibility) und Schwester Denise Boyle (St. Patricks's Missionary Society) Richtung Port Harcourt. Einladung des Erzbischofs Lucius Ugorji in Umuahia, Aba State. Gespräch über den Aufbau von Mikrokrediten und Besichtigung des Werksgeländes einer geplanten Keramikfabrik. Weiterfahrt zum Ölfeld Umuechem. Dort Besichtigung der Pumpstation, eines seit Jahrzehnten nicht zu löschenden brennenden Bohrlochs und eines funktionstüchtigen Bohrlochs. Blick auf ein von Shell gebautes Hospital, das nie in Betrieb ging. Besuch des Dorfes Umuechem und des dortigen Ringkampfwettbewerbs. Übernachtung in Port Harcourt. |
05.11.06 |
| Fahrt quer durch das Delta zum Flughafen Warri. Weiterflug nach Lagos und Rückflug nach Frankfurt. |
Nigeria
Lange vor 1500 v. Chr. existierten im heutigen Nigeria bereits Einzelstaaten der jetzt dort lebenden Völker, der Yoruba, Haussa, Nupe, später auch Fulbe und Igbo. Heute ist Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Neuere Schätzungen vermuten, dass die Bevölkerung auf ca. 150 Millionen Menschen angewachsen ist. 50% der BewohnerInnen sind Muslime, 40% ChristInnen (meist anglikanisch oder katholisch), 10% hängen Naturreligionen an.
Das Land lässt sich grob in den politisch und militärisch einflussreichen Norden, den materiell reichen anglikanischen Südwesten der Yoruba um Lagos und die katholischen Erölgebiete der Igbo im Südosten aufteilen. Daneben gibt es allerdings noch ca. 400 kleinere ethnische Gruppen. Die Situation der Frauen ist von einer Gleichberechtigung weit entfernt. Sie sind bisher kaum in den obersten Rängen von Wirtschaft, Politik und Wissenschaft vertreten.
Lagos ist nach Mexico City mit ca. 15 Millionen Menschen die zweitgrößte Stadt der Welt und hat gleichzeitig eine katastrophale Verkehrsinfrastruktur. Obwohl Nigeria in den letzten dreißig Jahren offiziell circa 280 Milliarden US$ aus der Ölförderung erhalten hat, leben zwei Drittel der Bevölkerung von weniger als einem Dollar pro Tag. Das Ungleichgewicht verschärft sich und die politisch motivierte Gewalt nimmt besonders in den Ölfördergebieten zu.
Staatspräsident Olusegun Obasanjo hat im Land nach seiner Ankündigung einer eventuellen dritten Kandidatur für Aufregung gesorgt. Eine solche ist laut Verfassung nicht möglich. Doch erhielt er in einem Referendum nicht die nötige Zustimmung für eine Verfassungsänderung.
Jahrelang hat Obasanjo für einen Schuldenerlass geworben und schließlich erreicht, dass mit dem Schuldenerlass durch den Pariser Club 60 Prozent der Schulden erlassen wurden, während die restlichen 40 Prozent durch Nigeria zurückgezahlt wurden. Im April 2006 konnte Nigeria auch tatsächlich seine letzten noch ausstehenden öffentlichen Schulden tilgen. Deutschland hat Nigeria 2005 Schulden in Höhe von 1,4 Mrd. Euro erlassen, was sich 2006 positiv auf die ODA-Quote Deutschlands auswirkt. Was ich im Augenblick nicht bestätigen kann, ist, ob Nigeria diesen Schuldenerlass auch sinnvoll in den Dienst der Bevölkerung gestellt hat. Allerdings sind mir nach meinem Besuch starke Zweifel gekommen, ob dieser Schuldenerlass tatsächlich gerechtfertigt und sinnvoll war.
Schmutige Geschäfte mit Öl aus Nigeria
"The business of business is business"
Die Diskrepanz zwischen den potenziellen Möglichkeiten, aus dem Reichtum der Öl- und Gasquellen zu schöpfen und der Realität in Nigeria, ist krass. Eine fast 50jährige Geschichte der Ölförderung, an der sich so bekannte Namen wie Shell, ExxonMobil, Chevron Texaco, British Petroleum, Agip und Elf beteiligten, hat im Grunde nur noch zur Verschlimmerung der Situation in sozialer und ökologische Hinsicht beigetragen. Dieses Urteil mag hart klingen, doch selbst wenn es Fortschritte bei der Transparenz und Anstrengungen für Verbesserungen gibt, für die wachsende Zahl der Bevölkerung tut sich so wenig, dass man eigentlich von Rückschritten sprechen muss.
So wird zum Beispiel nur zögerlich die Abfackelung von Gas verhindert. Nigeria ist der größte Abfackler von Gas weltweit. Noch bis letztes Jahr wurden 75 Prozent des produzierten Gases einfach in die Luft geblasen und verbrannt. Inzwischen sind es nur noch 43 Prozent, 2008 sollen nur noch 10 Prozent des Gases abgefackelt werden. Jeden Tag wird in Nigeria so viel Gas abgefackelt, wie es 40 Prozent des gesamten afrikanischen Gasverbrauchs entsprechen würde. Das Abfackeln hat mehr Treibhausgase produziert als ganz Subsahara-Afrika zusammen. Die toxischen Stoffe, die seit Jahrzehnten auf Böden und Bevölkerung herabregneten, haben schwere gesundheitliche und ökologische Schäden verursacht, für deren Beseitigung sich niemand zuständig fühlt. Schätzungen sprechen davon, dass im gesundheitlichen Bereich Kosten von jährlich 2,5 Mrd. USD entstehen.
Nigeria verfügt über gewaltige Ölreserven, die sich auf 35 Milliarden Barrel (1 Barrel entspricht 159 Liter) belaufen sollen und über eine Ölinfrastruktur mit mehr als 600 Ölfeldern und Pumpstationen. Diese liegen allerdings oft auch im unwegsamen Gelände oder offshore im Atlantischen Ozean.
Die jährlichen Erdöleinkünfte werden auf 38 bis 53 Mrd. USD geschätzt. Doch leider gibt es eine allgegenwärtige Korruption. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung leben in extremer Armut (unter 1USD am Tag), während gleichzeitig geschätzte 380 Mrd. USD seit der Unabhängigkeit des Landes in die Taschen privater Diebe geflossen sind. Nigeria steht auf dem Korruptionsindex auf Platz 152, schlechter aufgelistet sind nur der Tschad, Bangladesch, Turkmenistan, Myanmar und Haiti. Unter Staatspräsident Obansanjo kam viel Bewegung in den Kampf gegen Korruption und inzwischen (April 2006) liegt der umfassende Bericht der Nigeria Extractive Industry Transparency Initiative über die Mittelabflüsse vor. Damit ist nachlesbar, wie sich der Reichtum verteilt – aber die Frage bleibt offen, was sich jetzt daran ändern wird. Dafür müssten erhebliche Anstrengungen von Seiten der Unternehmen und der Regierung unternommen werden – und im Augenblick herrscht eher Stillstand.
"Oil and Gas Wealth should Serve the Common Good"
Schon mehrere Monate vor der Konferenz veröffentlichte die "Justice Development and Peace Commission" der CBCN eine 187 Seiten starke, äußerst spannende Broschüre mit dem Titel "Nigeria: The Travesty of Oil and Gas Wealth". Das Fazit von fast 50 Jahren Ölförderung ist bitter:
"Since its discovery and commercial production in 1958, oil has been at the root of catastrophic national problem; manifesting, firstly, in ferocious rivalries within the ruling class to acquire and maintain control over a greater share of oil surplus, and/of secondly, a steep rise in violence between the ruling class and other subordinate classes on the aftermath effects of crude oil production, particularly the latter's exclusion from reaping the pecuniary rewards from oil" (S. 17).
Es ist eine Anklageschrift, wie sie deutlicher nicht sein könnte. Sie fordert Gerechtigkeit, Freiheit für die Unterdrückten, Stärkung der menschlichen Würde und Überstützung für die Entrechteten. Die Autoren der Broschüre haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich noch etwas verändern lässt und fällen dennoch ein hartes Urteil über sämtliche Bemühungen um Verbesserungen:
"Till date, efforts in these various areas have failed woefully because government (and multinational oil companies) never truly showed the requisite political will and commitments towards alleviating the plights of the inhabitants of oil communities in the Niger Delta."
Die Broschüre wurde von einer speziellen Arbeitsgruppe "Justice and Environmental Issues in the Extractive Industries in Nigeria" erarbeitet und zeichnet sich durch viele Details, Fakten und interne Informationen aus, da einige der ExpertInnen lange Zeit in der Ölindustrie gearbeitet haben. Noch wichtiger ist, dass diese Broschüre nicht nur der Analyse dienen will, sondern auffordert, die Situation zu ändern und dafür Handreichungen gibt.
Zwei Tage vor meiner Abreise geriet Nigeria durch einen Flugzeugabsturz in die internationalen Schlagzeilen. Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres war ein Inlandsflugzeug abgestürzt, bei dem etwa 140 Menschen ums Leben kamen. Dies warf erneut ein Schlaglicht auf Mängel im Sicherheitsbereich und wurde in Nigeria die ganze Woche meiner Anwesenheit in der Presse intensiv und mit viel Empörung diskutiert. Trauer, Wut und Resignation über die Zustände im Land wechselten sich ab. Interessanterweise sind diejenigen Fluglinien, die internationalen Standards entsprechen und jetzt entsprechend ausgebucht sind, ursprünglich auch von Ölgesellschaften eingerichtet worden.
Die Konferenz selbst fand aus Sicherheitsgründen (Kidnapping von Mitarbeitern der Ölgesellschaften, gewalttätige Übergriffe) nicht in einer der Öl-Förderprovinzen im Niger-Delta statt, sondern 200 km nördlich in Emene, einer Vorstadt von Enugu, der Hauptstadt von Enugu State. Dort im "Divine Love Retreat and Conference Center" trafen sich die über 60 TeilnehmerInnen, unter ihnen Gäste aus den USA und Deutschland.
Trotz der Einladung durch die Bischofskonferenz von Nigeria und der persönlichen Anwesenheit von 4 Erzbischöfen waren keine Regierungsvertreter oder Gouverneure anwesend, sondern schickten dann doch nur ihre Vertretungen. Shell und Chevron Texaco sagten ihre Teilnahme ganz ab, während die nationale Ölgesellschaft NNPC zumindest den Anstand besaß, einen Vertreter zur Stellungnahme zu schicken. Anfangs schienen diese Absagen der Konferenz erstmal den Schwung zu nehmen, aber dann zeigte sich, dass die eingebrachten Referate und Stellungnahmen zu engagierten Diskussionen führten und damit zum inhaltlichen Erfolg der Konferenz führten.
Folgende Referate bestimmten die Tagesordnung:
- The promotion of corporate governance and social responsibility by operating and participating oil and gas companies in host communities.
- Enhancement of transparency and accountability issues in the oil and gas sector in the nation.
- The Social teachings of the Church and the management of oil and gas wealth.
- Reversion of the 'resource curse' through the promotion of sustainable community developments in Nigeria .
- The need to nurture public wealth for sustainable family and community prosperity.
- The need to employ micro-credit & wealth creation in host oil and gas community as one of the ways to alleviate poverty.
- Enhanced response strategies in community peace building and practice.
- Mitigation and Remediation of degraded environment.
- A paper was received on the review of oil and gas policies and employment of best practices in the Industry.
Neben diesen Referaten wurde von Pater Kevin O'Hara ein Film (A Fence Too High) über die Verwüstung durch die Ölförderung und die dadurch entstandenen Konflikte gezeigt, der sehr eindringlich die aufgeladene Situation wiedergibt. Die Menschen im Niger-Delta zeigten sich sehr wütend darüber, dass von all den versprochenen Maßnahmen z.B. im sanitären Bereich, in der Trinkwasserversorgung und im Gesundheitswesen nichts umgesetzt wurde und ihre Versuche der Einforderung ihrer Rechte seitens der Firmen mit Einschüchterungen beantwortet wurden. Pater O'Hara, der seit über 20 Jahren in Nigeria lebt, gehört zur Organisation "Center for Social and Corporate Responsibility", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Gemeinwesen zu stärken und die allgegenwärtige Korruption zu bekämpfen. Sie arbeitet außerdem seit Jahren daran, die Aktionäre von Shell und Chevron Texaco auf die Unternehmenspolitik des Konzerns aufmerksam zu machen.
Noch am 4. November wurde auf Grundlage der Konferenz der Bischofskonferenz Nigerias eine Resolution veröffentlicht (siehe Anhang). Diese soll jetzt an die Europäische Bischofskonferenz weitergeleitet und damit um Unterstützung geworben werden.
Nach meiner Rückkehr verfasste ich umgehend Briefe an die Ölmultis Shell und Chevron Texaco und drückte darin mein Unverständnis darüber aus, dass trotz der persönlichen Einladung der Dialog mit der nigerianischen Kirche verweigert wurde (siehe Anhang). Aus meiner Sicht wurde damit eine wichtige Chance vertan, gerade vor dem Hintergrund der Zunahme von Gewalt, in Gespräche einzusteigen. Wenn dies die Kommunikationsstrategie der Unternehmen ist, sind weitere Konflikte vorprogrammiert. Antworten auf diese Briefe liegen mir bislang noch nicht vor.
Einzelne Projekte
"A Government without Women is like a Pot sitting on one Stone"
Das GTZ-Frauen-Projekt in der Provinz Borno
14 Stunden Fahrt lagen hinter Prof. Patricia Donli, Mitarbeiterin der Initiative "Gender, Environment and Rural Development" und Beraterin der GTZ, und Boloji Aina, Mitarbeiterin der GTZ, als sie im Konferenzzentrum ankamen. Beide arbeiten im Bundesstaat Borno im Norden Nigerias in einem Projekt zur "Stärkung von Frauen zur Durchsetzung ihrer Rechte" (Laufzeit 2006 – 2009). In dieser überwiegend islamisch geprägten Region, in der allerdings das gesellschaftliche Klima bislang liberaler ist als in den benachbarten Bundesländern, ist so ein Engagement beeindruckend und verdient Anerkennung.
Das GTZ-Projekt hat das Ziel, Frauen zu ermutigen und zu befähigen, auch in politischen Gremien Verantwortung zu übernehmen. Die Botschaft, die hinter diesem Mentorinnenprogramm steht, lautet: "We are ready to work to empower people, to be able to participate for good governance." Frauen werden über ihre Rechte informiert und erfahren, wie man politische Programme erstellt, Fundraising organisiert und öffentlich redet (Leadership Training). Am Einführungstag des Projektes kamen statt der erwarteten 150 Frauen über 260. Ein klarer Beweis dafür, dass das Interesse der Frauen an politischer Bildung groß ist und das Konzept in der Region angenommen wird.
Auch die Rechtsberatung, die sie Frauen geben, hat einen hohen Stellenwert. Denn das ist die einzige Chance für Frauen, Rat in Rechtsfragen z.B. über die Unterhaltspflicht bei nachgewiesener Vaterschaft, zu erlangen. Außerdem arbeiten sie daran, dass die "Gesetze" hinterfragt werden, die es ermöglichen, dass Mädchen schon 10 bis 11 Jahren verheiratet werden oder dass Straßenkinder ihrem Schicksal überlassen bleiben.
Besuch bei Erzbischof Lucius Iwejuru Ugorji in der Stadt Umuahia
Auf der Fahrt ins Niger-Delta hatten wir die Möglichkeit, uns auf Einladung des Erzbischofs über zwei von ihm initiierte Projekte zu informieren. Eines bestand aus der Bereitstellung von Mikrokrediten (Startkapital war bei 20 Mio. Naira, jetzt 50 Mio) durch die örtliche Bank und das zweite besteht im Aufbau einer Keramikfabrik auf einem verlassenen Fabrikgelände einer ehemaligen Brauerei. Die Hallen sind auf den Einbau der Maschinen vorbereitet und wenn in einigen Monaten die Anlagen geliefert werden, dann soll von hier aus ab Juni 2007 ganz Nigeria mit Dachpfannen, Fliesen und sonstigen Keramikgegenständen beliefert werden. Damit werden Arbeitsplätze vor Ort geschaffen. Erzbischof Ugorji organisiert für seinen Zuständigkeitsbereich das, was er auch in seiner Schrift "Collaboration between Africa and Europe" einfordert:
"Within an unjust world economic system marked by significant structural inequalities and injustice, the Church cannot afford to be indifferent or self complacent. She is to show profound concern for the defence of the rights of the poor and weak to live in dignity and freedom…. On the one hand, the Church in Europe
could serve as an advocate, pressing their home governments to give more opportunities to countries in the developing world to have a place in the international community. On the other hand, the Church in Africa
should press their home governments to ensure that such opportunities are properly utilised by ensuring political and economic stability and the drastic reduction of corruption and waste."

