
- Podiumsdiskussion Ärztemangel ein Phantom? in Espelkamp
Am 9. September 2009 lud der Grüne Kreisverband Minden-Lübbecke und der Ortsverband Espelkamp zu der Podiumsdiskussion "Ärztemangel – Ein Phantom?" ins Bürgerhaus Espelkamp ein. Die Veranstaltung thematisierte den bedrohlichen Ärztemangel im Kreis mit der Frage: Wie können wir Gesundheitsversorgung für Hausärzte und Patienten menschlich, erreichbar und bezahlbar machen? Als Gäste waren die Grüne Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink, der Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung der Bezirksstelle Minden Dr. med. Erik Fischer, die Vertreterin des Hausärzteverbandes (Bezirksvertretung Westfalen-Ost) Anke Richter und die Vertreterin der AOK Herford/Minden-Lübbecke Birgit Ewen eingeladen. Die Moderation übernahm Ute Koczy MdB.

Unser Gesundheitswesen befindet sich im Wandel. Gerade im ländlichen Bereich droht eine medizinische Unterversorgung. Bei der derzeitigen Entwicklung wird in Minden-Lübbecke in den nächsten zehn Jahren fast ein Drittel des jetzigen Hausarztbestandes verschwunden sein. In Petershagen und Hille z.B. sind zwei Drittel der Hausärzte über 55 Jahre alt und haben große Probleme, NachfolgerInnen für ihre Praxen zu finden.
Der fehlende Nachwuchs ist aber nicht nur auf dem Land ein Problem. Nur 60 Prozent der MedizinstudentInnen gehen auch in den ärztlichen Beruf – die restlichen 40 Prozent begeben sich in andere Berufsfelder. Deswegen muss die Berufssparte attraktiver gestaltet werden, z.B. in Hinblick auf die Arbeitszeiten. 70 Prozent der MedizinstudentInnen sind weiblich. Daher müssen neue Arbeitszeitmodelle entwickelt werden, die es Ärztinnen und Ärzten ermöglichen, neben ihrem Beruf auch ihrer Familie gerecht zu werden.
Die Diskussion über das Honorarsystem hat bei dem Hausärzteverband Westfalen-Lippe große Wogen geschlagen. Die Hausärzte fordern einen Bürokratieabbau. Insgesamt soll es weniger Verwaltungsarbeit geben und dafür mehr Zeit für die Patienten. Weiterhin weisen sie das ungerechte Honorarsystem hin: in Niedersachsen bekommt ein Hausarzt für dieselbe Leistung, die "all-inclusive-Versorgung" (ohne Vorsorge und Notdienste) 32,18 Euro pro Kopf pro Quartal, in Niedersachsen für exakt dieselbe Leistung ca. 44,- Euro, d.h. 25% mehr als ein Hausarzt in Westfalen-Lippe.
Für Ute Koczy stand fest, dass diese Missstände weder ignoriert noch hingenommen werden dürfen. Die Politik muss der Bevölkerung deutlicher sagen, wie schlecht es um das Gesundheitssystem insgesamt steht und dass das Wünschenswerte nicht mehr finanzierbar ist.
Grüne Forderungen sind:
- Anpassung an die Notfallversorgung
- bessere Honorierung von Hausbesuchen
- besserer Zugang zum Medizinstudium, nicht nur über den NC-Zugang. Das Ziel "Arzt als Berufung" muss mehr im Vordergrund stehen.
- die Stärkung der Praxen an Brennpunkten darf nicht am Honorarsystem scheitern
